Backstage Der Letzte Pate

Geweihe, Blumen und ein Moment, der fast nicht stattgefunden hätte

Backstage — Der letzte Pate (The Last Godfather)

Vor dem Shooting war ich mir sicher: Das wird kalt. Große Halle, viel Beton, hohe Decken. Also habe ich allen weiblichen Models gesagt: Bringt euch unbedingt etwas Warmes mit.

Am Shooting-Tag: 36 Grad. Diese schwere, stehende Hitze, die einfach nicht weggeht. Make-up? Nach kurzer Zeit egal. Es ist verlaufen, geglänzt, verschwunden. Wir haben irgendwann aufgehört, dagegen anzukämpfen und den Rest später in der Nachbearbeitung gelöst. Die Frauen waren ziemlich froh, dass sie eher leicht angezogen waren. Die Männer nicht. Anzüge, schwere Stoffe, keine Luft – man hat ihnen die Hitze angesehen. Und genau das hat den Bildern etwas gegeben, das man nicht planen kann.

Geshootet haben wir in einer Oldtimerwerkstatt, in der 6 Wheeler Fahrzeuge entstehen. Und mit Gustav vor Ort war im Grunde alles möglich. Ich musste nichts vorbereiten – ich musste nur sagen, was ich brauche, und ein paar Minuten später war es da. Eine alte Autorückbank als Sofa, absurde Blasinstrumente, genau die Art von Details, die man nicht planen kann – aber die ein Bild ausmachen. Und dann sind es oft die kleinen Dinge: ein schweres Whiskyglas auf dem Tisch. Das Glas steht da – aber leer. Irgendetwas fehlt.

Mister M tritt daneben, nimmt die Flasche, gießt ruhig nach. Wie ein Butler. „Besser.“

Die Halle selbst hat uns komplett in die Karten gespielt. Sie war so groß, dass wir mehrere Sets parallel aufbauen konnten. Kein Umbauen, kein Warten – alles war vorbereitet, bevor wir überhaupt richtig angefangen haben. Das hat den ganzen Tag strukturiert und gleichzeitig extrem frei gemacht.

Shooting

Zum Start erst einmal alle zusammen. Ein Glas Champagner für jeden. Wir gehen die Szenen durch, sprechen über Rollen, über Stimmung. Die meisten kannten sich vorher nicht – aber das hat man kaum gemerkt. Es war sofort eine gute Energie im Raum. Don Salvatore wird von einem Schauspieler gespielt, der extra aus Zürich angereist ist. Man merkt sofort, dass er in der Rolle denkt, nicht nur posiert. Ich lasse meine Geschichten bewusst an manchen Stellen offen. Kein komplett durchgeplantes Drehbuch, sondern Raum für eigene Ideen. Genau das macht es lebendig – wenn die Models anfangen, die Szene mitzugestalten.

Noch bevor ich richtig starte, steht Mister M schon neben mir und hält mir die Kamera hin. „Bereit.“

Das Fotografieren selbst ging fast überraschend leicht von der Hand. Alle waren schnell in ihren Rollen. Fotografiert habe ich mit der Nikon Z7.

Eines der intensivsten Sets war in einem alten Citroën. Don Salvatore hinten mit Zigarre, daneben Lucia mit Champagner, während Matthias und ich vorne saßen – er mit Scheinwerfern in der Hand, ich mit der Kamera. In diesem Auto hatte es gefühlt 60 Grad, die Luft stand komplett, und durch den Zigarrenrauch wurde es schnell richtig stickig. Fenster auf war keine Option – in der Halle war es genauso heiß.

Nach diesem Set wollte ich ein paar Szenen mit dem Sigma 105mm f/1.4 Art fotografieren. Ein großartiges Objektiv, aber auch ziemlich schwer.

Mister M nimmt es mir kurz ab: „Das Ding ist brutal.“

Und wie das bei solchen Produktionen ist: Nicht alles läuft nach Plan. Ein männliches Model ist kurzfristig abgesprungen – also wurde Matthias kurzerhand vom technischen Assistenten Teil der Inszenierung. Vom Licht in der Hand direkt vor die Kamera. Genau diese Momente kann man nicht planen – aber sie sind oft die, die am besten funktionieren.

Zwischen den Sets gab es kurze Fluchten nach draußen. Im Garten stand ein Pool aus zwei zusammengeschweißten Cabrios – die Rückseiten verbunden, die Fronten zeigen in entgegengesetzte Richtungen, innen Wasser. Kurz reinspringen, runterkühlen, wieder zurück ins nächste Set.

Gerade bei der Kombination aus Kamera und schwerem Objektiv war ich froh über das Spider Holster. Ich erkläre gerade etwas am Set, beide Hände voll – und plötzlich hängt die Kamera schon sauber an der Hüfte.

Mister M: „Ich dachte, das brauchst du jetzt.“

Kurz einhängen, Hände frei haben, Dinge erklären, zeigen – genau dafür ist es perfekt.

Es war heiß. Wirklich heiß. Irgendwann waren einfach alle durch. Und trotzdem: viel Lachen, gute Stimmung, keiner ist ausgestiegen. Am Ende sitzen wir draußen im Garten, Pizza in der Hand, völlig erledigt. Überall Mücken. Viel zu viele. Einer dieser Tage, nach denen man weiß: Das hat sich gelohnt. Ein wahnsinnig befriedigendes Shooting – und ein unvergesslicher Tag.

Am Set dabei

Nicht alles sieht man im Bild. Aber einiges entscheidet, ob es überhaupt entsteht.

Mister M sagt: Am Set zeigt sich schnell, was wirklich funktioniert.

Whisky-Gläser-Set „Edinburgh“
Geschliffenes Kristall. Für Männer, die keinen Plastikbecher anfassen. → ansehen

Nikon Z7
45,7 Megapixel. Reicht. Und ja – halt Nikon. → ansehen

Sigma 105mm f/1.4 Art
Brutal gut. Leider brutal schwer. → ansehen

SpiderPro Single Camera System v2
Kurz einhängen, Hände frei. Genau dann, wenn man sie braucht. → ansehen

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Jagdtrieb — die finale Serie

Vier Arbeiten.
Vier Zustände.

Nigreda aus der Serie Jagdtrieb – Farben der Vergänglichkeit, 2025, von der Fotografin Isabel Engelmann